4.Alpinkader-Training von Capra Ibex (Thema: Tourenplanung & Taktik)
Trainingsbericht – Die große Kunst der Tourenplanung (oder: Wie viele Steinböcke passen in einen Rucksack?)
Beim ersten Kadertraining haben wir gelernt, wie man solide Standplätze baut. Beim zweiten, wie man mobile Sicherungsmittel benutzt, ohne sie direkt im Fels zu versenken. Und beim dritten Termin ging es um das Thema, das schon so manche Seilschaft an den Rand der Verzweiflung gebracht hat: Topos lesen & verstehen. Diesmal jedoch wagten wir uns an die Königsdisziplin: Tourenplanung & Taktik – also alles, was man braucht, um am Berg nicht nur gut auszusehen, sondern auch wieder heil herunterzukommen.
Am 22. Februar um 10:30 Uhr versammelte sich der gesamte Dolomitenkader in Sedlitz. Neun motivierte Steingeiße und Steinböcke standen bereit – und alle hatten ihre Hausaufgaben dabei. Aufgabe: Ein detailliertes Topo einer Kletterroute am Sedlitzer Turm zeichnen. Ergebnis: Von Picasso bis „Ich schwöre, das ist eine Linie“ war alles dabei.
Danach wurde gesammelt, sortiert und diskutiert, bis selbst die Flipcharts müde wurden. Themen:
- Wochen- und Tagesplanung
- persönliche Ausrüstung
- Seilschaftsausrüstung
- Wetter & Verhältnisse
- Zustieg & Abstieg
- Zeitmanagement
- Tourenauswahl
- Taktik
Kurz gesagt: Alles, was man braucht, um nicht um 17 Uhr noch am ersten Stand zu hängen.
Zum Mittag gab es Nudelsalat von Andie – und zwar nicht irgendeinen, sondern den legendären „Ich-kann-das-auch-in-der-Wand-essen“-Nudelsalat. Zwischendurch tauchten außerdem mysteriöse Köstlichkeiten auf, die vermutlich von denselben Leuten stammen, die auch immer Ersatzkarabiner dabeihaben.
Nach der Pause ging es in drei Seilschaften an die Planung eines kompletten Klettertages in den Dolomiten. Jede Gruppe suchte sich:
- eine Mehrseillängentour
- eine Ersatztour
- einen Notfallplan (für alles, was man nicht plant, aber trotzdem passiert)
Es wurde gerechnet, diskutiert, gezeichnet und gelegentlich auch tief geseufzt. Am Ende präsentierte jede Seilschaft ihren Masterplan – inklusive Ausrüstungsliste, Zeitplan und Wetterstrategie. Nur der Punkt „Wer trägt den schweren Kram?“ blieb wie immer diplomatisch ungelöst.
Zum Schluss stellte sich die Frage aller Fragen: Welcher Rucksack ist der richtige? Und wie packt man ihn so, dass man nicht nach fünf Minuten aussieht wie ein umfallender Schildkrötenpanzer?
Karin und Christian hatten zwei perfekt gepackte Modelle dabei. Wir haben gelernt: Ja, es ist möglich, Ordnung im Rucksack zu haben. Nein, es gelingt nicht jedem. Luis hat beim Montagstraining gleich mal geübt, wie es sich mit vollem Rucksack klettert.
Zum Abschluss wurden offene Fragen geklärt, neue Termine besprochen und die nächsten Hausaufgaben verteilt. Was genau? Das verraten wir im nächsten Trainingsbericht – Spannung muss sein.
Text: Philipp Liebscher
Fotos: Karin Mehlhase & Philipp Liebscher































